André Kirbach Düsseldorf
# FW027


Entelechie de temps (1961)


Friederich Werthmann (geb. 1927)

Remanit
D. 47 cm


"... Von Anfang an arbeitet der Stahlbildhauer Werthmann abstrakt, gegenständliche Anspielungen bleiben die Ausnahme. Die Grundformen sind in der Regel geometrisch - ob Form oder Körper: Dreieck bis Mehreck, Kreis, Kugel, Kubus, Zylinder.
Diese Formen können bewegt umschrieben sein (wie in den „Entelechien“ von 1960 und 61), poetisch reduziert beschrieben (wie in der „Campione“ von 1972) bis mathematisch berechnete Sinus-Cosinus-Skulpturen und Loops.
Der Titel „Entelechie“ scheint programmatisch und wegweisend für das Werk Werthmanns. Für Aristoteles hatte jedes in der Wirklichkeit antreffbare Gebilde eine Entelechie. Das Wort stammt aus dem Griechischen „en telos echei“, das Ziel in sich haben. Entelechie bedeutet den inneren Sinngehalt, welcher danach strebt, sich immer vollkommener zu verkörpern.
Die Vollkommenheit drückt sich in formaler Harmonie und Schönheit aus. Sie ist zugleich der Endzweck, auf den die Entelechie hindrängt. Form und Materie bzw. Stoff eines Gegenstandes sind bei Aristoteles getrennte Prinzipien.
Das Stoffliche ist für ihn um so vollkommener, proportionierter und harmonischer geformt, je reiner sich die Entelechie in ihm verkörpert. Man könnte auch von der beseelten Form sprechen.
Wir werden verwiesen auf das Wesen der abstrakten Skulptur: Die Form meint sich selbst, in ihr liegt ihr Sinn. Weiter: Die Form löst sich von der Materie, vom Stofflichen. Deshalb wirken die Skulpturen Friederich Werthmanns trotz des gewichtigen Stahls erstaunlich leicht, poetisch oder dynamisch.
Hier liegt eines der Geheimnisse der Faszination der Skulpturen Friederich Werthmanns. ..."

Hartmut Witte
Auszug aus der Einführung zur Eröffnung am 13. April 2003: Friederich Werthmann - Retrospektive
Skulpturenmuseum Glaskasten Marl


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