André Kirbach Düsseldorf
# KKxxx8


Kestretz (1958)


Bernard Schultze (1915-2005)

Reliefbild
Öl und plastische Elemente auf Leinwand
90 x 100 cm

signiert und datiert unter rechts:
1958 Bernhard Schultze

rückseitig betitelt, datiert und signiert:
"Kestretz" (1958) Bernhard Schultze

Werkverzeichnis: 58/13

Provenienz:
- Sammlung Jean Pierre Wilhelm, Düsseldorf
- Privatsammlung
- Sammlung Kirbach-Kreß

Ausstellungen:
- Große Kunstausstellung, München 1965
- Le grand geste!, Düsseldorf 2010

Literatur:
- Große Kunstausstellung, München 1965, Kat.-Nr. 449
- Le grand geste!, Düsseldorf 2010, Farbabbildung S. 42
(dort fälschlich als "Rosengeschwüre" bezeichnet)
- handschriftliche Werkliste des Künstlers Nr. 38/58


"... Bernard Schultze kam traumatisierte aus einem Krieg, in dem er als Soldat jahrelang mit Zerstörung und Tod konfrontiert worden war. Als Flüchtling lebte er zunächst in Flensburg und ließ sich gegen Ende der 1940er Jahre in Frankfurt am Main nieder. Dort kam es zur Begegnung und Freundschaft mit Karl Otto Götz, der bereits Kontakte zur Kunstszene in Frankreich hatte und einer der wichtigsten Mittler der deutsch-französischen Kunstszene war.
Der junge Schultze hatte bereits Bilder von Asger Jorn, Karel Appel und Corneille kennengelernt und sah nun bei ersten Besuchen in Paris Bilder von Jean-Paul Riopelle, Wols und Jackson Pollock, die ihn sehr beeindruckten. So gelangte er zu einem befreiten Malen, und seine Bilder wurden gegenstandsfreier, abstrakter in einer Art unkalkuliertem Automatismus "nah am Chaotischen".
Bernard Schultze begründete 1952 mit K.O. Götz, Otto Greis und Heinz Kreutz die Künstler- und Ausstellungsgemeinschaft Quadriga, die erste avantgardistische Künstlergruppe im Nachkriegsdeutschland, die internationalen Anschluss an Action Painting und Tachismus suchte und fand. Dabei blieben Schultzes Bilder, anders als die seiner informellen Mitstreiter, zumeist assoziativ oder vermittelten über ihre Bildtitel Erzählerisches und entspannten eigene Welten:
"Insektenwelt", "Sommerlich" oder "geografische Situation" geben dem Betrachter deutbare Hilfen vor. Solche Bildtitel bekunden, dass dem jungen Maler das Suchen und Erkennen, das traumhaft Deutende für seine ansonsten freien, wild-gestischen und allmählich immer Struktur- und materialbetonteren Bilder bedeutsam waren. ...
Seine informellen Bilder wurden über Einklebungen von Stoffen und die Verwendung weiterer Materialien allmählich plastischer. Dem Maler genügte die Nutzung der zweidimensionalen Bildfläche nicht mehr, und er gestaltete diese zunächst schrundiger. Die hügeligen Oberflächen brechen auf: Höllen öffnen sich, Fühler und Beulen entwachsen, scheinbar organisches hängt herab. ... "

(Eva Müller-Remmert, Die Gegenwelten von Bernard Schultze, aus: Bernard Schultze Gegenwelten, Wienand-Verlag, zur gleich-
namigen Ausstellung MKM Museum Küppersmühle 2012-13)


"Da sind die seit langem bestehenden Kategorien, auch in der bildenden Kunst: Die Malerei auf zweidimensionalem Fond, und die Plastik in der Erforschung des dreidimensionalen Raumes. Ich bemühe mich seit längerer Zeit, im Zwischenreich festen Fuß zu fassen, auf dem schmalen Grenzgrat zu balancieren, der in Unbekanntes führt. Die Ergebnisse sind die Reliefbilder. Sie könnten Übergänge sein - vom Organischen ins Anorganische, von Blume zu Tier, wie Beckett im "L`Innommable" das aufs äußerste reduzierte Menschsein, als Übergangsexistenz von Mensch zu Gewächs darstellt."

(Bernard Schultze: "L`Innommable", Manuskript 1960,
zitiert nach: Bernard Schultze. Innerer Monolog. Ausst.-Kat. Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie Frankfurt a. Main 2000, S. 15)


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